Seitenüberschrift: Kultur
Ressort: Rhein-Main-Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2009, Nr. 76, S. 41
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Die Sache mit dem Apfel im Garten Eden
 
Lauter Missverständnisse um Adam und Eva: Arbeiten von Corinna Mayer in der Frankfurter Galerie Perpétuel.

Von Christoph Schütte

Und wenn es doch ganz anders war? Nicht Eva also die Sache mit dem Apfel recht eigentlich verschuldet hat. Es auch keine Schlange als Verkörperung des Bösen gab im Paradies, die mit gespaltener Zunge göttliche Erkenntnis diesem ersten aller Paare seinerzeit in Aussicht stellte. Für einen Preis, der leidlich akzeptabel schien. Zumindest auf den ersten, von den Verhältnissen außerhalb des Gartens Eden naturgemäß noch nicht so arg getrübten Blick. Nicht dass wir ernstlich Zweifel hätten. Doch angesichts der aktuellen Ausstellung Corinna Mayers, die derzeit in der Frankfurter Galerie Perpétuel (Oppenheimer Straße 39) zu sehen ist, ist man doch geneigt, die Überlieferung der Bibel wie der Kunstgeschichte zumindest punktuell zu überprüfen.

Immer schon zeichnet sich die Kunst der 1969 in Langen geborenen Malerin durch eine Art Sampletechnik aus, durch einen Rückgriff auf Motive, auf Gesten, Posen und Figuren, die sie unterschiedlichen Kontexten, Medien und Epochen entnimmt und in ihren Zeichnungen und Bildern im Remix gleichsam sich begegnen lässt. "I'll be your mirror" aber, so der Titel der sehenswerten Schau bei Perpétuel, erscheint so mutig wie gewagt aus gänzlich anderen Gründen. Denn nicht nur, dass Mayer seit Jahren erstmals wieder in Öl auf der nackten Wand gearbeitet hat, was ihrer Kunst verblüffend adäquat erscheint; dass die Städel-Absolventin, die bei Hermann Nitsch studiert hat, Figuren aus der Renaissance, aus Kunst und Pop und Lifestyle sich auf einer Ebene begegnen und buchstäblich aus dem Nichts heraus den Raum bevölkern lässt.

Kein Zweifel, dass es hier in monochromem Blau erkennbar Adam ist, der seiner Eva offenbar gerade eben, noch zögernd jene Frucht zu reichen sich entschließt, die zu öffnen ihm allein der Mumm fehlt, derweil sie ihm seine im gleichen Augenblick als solche wahrgenommene Blöße mit einem Feigenblatt verdeckt. Und nicht die Spur von einer Schlange. So aber gibt eines das andere seit Anbeginn der Zeit. Zwei Welten, scheint es, die sich hier schicksalhaft begegnen. Und ein Missverständnis. Darüber hinaus aber - und das darf man durchaus mutig nennen - stellt Mayer erstmals überhaupt ihre umfangreichen Skizzenbücher der vergangenen 15 Jahre aus. Und nicht nur für jene, die das Werk dieser konsequent ihren Weg gehenden Künstlerin schätzen, lohnen allein sie schon den Besuch.

Weniger freilich, weil hier bei aller Intimität und Offenheit Mayer sich in diesen Blättern und den zahlreich eingefügten Versen und Gedankensplittern in einer Weise selbst entblößte, die Anlass böte, ihre miteinander meist fremdelnden Figuren in einem neuen Licht zu sehen. Vielmehr lässt sich hier die Entwicklung eines Weges, eines Stils vor allem auch nachvollziehen, vom allmählich sicher und souveräner sich gebärdenden Strich bis zur Konzentration auf die für Mayer typisch reduzierte Farbpalette. Und während sie in diesen Skizzenbüchern Fotos einklebt, collagiert und übermalt, was das Zeug hält, entwickelt sie auf der Leinwand mit im Kern ähnlichen Verfahren eine klare Sprache, einen Klang mitunter, der vage aus der Renaissance vertraut scheint und doch mitnichten aus der Zeit gefallen ist. Sondern ganz der Welt der Gegenwart verpflichtet.

Bis 24. April, Dienstag bis Donnerstag 16 bis 19 Uhr, Samstag11 bis 14 Uhr
 
 
Bildunterschrift: Klare Sprache mit reduzierter Farbpalette: Corinna Mayer interpretiert die Schöpfungsgeschichte.

Abbildung Galerie
 
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